Du hast geilen Sex und dann passiert es: Der vorzeitiger Samenerguss

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Sex ist die schönste Nebensache der Welt, doch manchmal schon ganz abrupt vorbei. Schuld ist der vorzeitige Samenerguss, auch eiaculatio praecox (aus dem Lateinischen: „frühzeitiges Auswerfen“) genannt. Oftmals bleibt es nicht bei einem einmaligen Vorfall. Wenn man zu früh kommt, ist das nicht nur für die Partnerin oder den Partner ärgerlich, sondern versetzt auch für das eigene Selbstbewusstsein einen heftigen Schlag. Was aber kann man gegen die vorzeitige Ejakulation unternehmen? Wir klären auf.

Es handelt sich beim vorzeitigen Samenerguss um eine sexuelle Funktionsstörung, von der rund ein Fünftel aller Männer betroffen ist. Bei manchen davon liegt ein ernsthaftes medizinisches Problem zugrunde, andere wiederum haben sich lediglich ein gestörtes Verhaltensmuster antrainiert. Die erste Variante nennt man auch primären vorzeitigen Samenerguss, da er schon immer vorhanden war. Die angelernte Variante hingegen wird als sekundärer vorzeitiger Samenerguss bezeichnet.
Die gute Nachricht: Dein Körper kann sich das auch wieder abgewöhnen.
Dazu gibt es vier grundlegende Methoden:

  • Beckenbodentraining
  • abwechslungsreichere Bewegungen beim Sex
  • bewusstes Atmen
  • spezielle Stimulationstechniken beziehungsweise Lokalanästhetika

Wann spricht man von einem vorzeitigen Samenerguss?

Im Durchschnitt dauert der Geschlechtsverkehr fünf Minuten. Dabei kann es auch mal vorkommen, dass man früher ejakuliert, ohne, dass das gleich eine sexuelle Funktionsstörung ausmacht. Wann tatsächlich von einer solchen zu sprechen ist, lässt sich kaum pauschal sagen, sind individuelle Erfahrungen doch grundverschieden.

Ursachen für vorzeitigen Samenerguss

Erkrankungen

Bestimmte Erkrankungen können eine vorzeitige Ejakulation bedingen. Dazu gehören unter anderem Harnwegsinfekte, Diabetes mellitus, Serotoninmangel oder Schilddrüsenerkrankungen. Doch nicht nur dauerhafte medizinische Probleme führen zu einem vorzeitigen Samenerguss. Auch manche Medikamente, insbesondere Schmerzmittel, können die Samenerguss-Ausdauer beeinflussen. Unser Tipp: Unbedingt vorher mit einem Arzt sprechen!

Leistungsdruck und Kontrollverlust

Spielen Erkrankungen für den vorzeitigen Samenerguss keine Rolle, liegt es meist am eigenen Leistungsdruck oder gar einer gewissen Versagensangst. Hierfür gibt es verschiedene Ursachen:
  • Erektionsschwierigkeiten
  • ein schwaches Befriedigungsgefühl beim Sex
  • starker Fokus auf die korrekte Technik beim Geschlechtsverkehr
  • die Vermeidung intensiver Bewegungen
  • das Gefühl eines Kontrollverlustes, was den Ejakulationsreflex angeht

Was geht bei einem vorzeitigen Samenerguss im Körper vor?

Hauptursache für einen Schnellschuss ist meistens eine übermäßige Spannung im Beckenboden oder sogar dem gesamten Körper. Beim Geschlechtsverkehr wird der Körper mit seinen Muskeln stark beansprucht. In der Missionarsstellung beispielsweise musst du dich mit den Armen abstützen, mithilfe der Oberschenkel- und Pomuskulatur Stoßbewegungen ausführen und außerdem Körperspannung halten, was auf die Bauchmuskeln geht. Wenn du dich derart verausgabst, ist vermutlich auch deine Atmung betroffen. Das heißt, du atmest weniger, weniger tief oder hältst vielleicht sogar die Luft an, um deine Konzentration zu erhöhen. Noch dazu sind die Muskeln im unteren Teil deines Körpers angespannt. Das Zwerchfell ist durch die Anspannung unbeweglich, was die Atmung erschwert. Auch der Beckenboden ist extrem gespannt, doch genau darin liegt das Problem: Der Beckenboden umgibt die Prostata, die wiederum dafür verantwortlich ist, die Ejakulation auszulösen. Unter diesem hohen Spannungsdruck führt die Prostata sehr schnell reflexartig den Samenerguss herbei.

Wie zögert man den Samenerguss heraus?

Wie zuvor bereits erwähnt, spricht man bei Geschlechtsverkehr, der etwas weniger oder mehr als fünf Minuten dauert, nicht von einem vorzeitigen Samenerguss. Wenn du also ungefähr in diesem Bereich liegst, leidest du vielleicht gar nicht unter der sexuellen Funktionsstörung. Dennoch kann es bisweilen von Vorteil oder jedenfalls erstrebenswert sein, beim Sex länger durchhalten zu können. Hier daher unsere Tipps, wie du die Ejakulation verzögerst.

Beckenbodentraining

Das Beckenbodentraining zielt auf den sogenannten PC-Muskel ab. Diesen brauchen wir, um beispielsweise beim Urinieren oder Stuhlgang abklemmen zu können. Wenn du ungeübt bist, wird es dir wohl sogar schwerfallen, den Muskel überhaupt anzuspannen. Darum gibt es spezielle Kegelübungen, die der Stärkung der Beckenbodenmuskulatur dienen. Sie sind nicht nur für Menschen konzipiert, die unter vorzeitigem Samenerguss leiden, sondern helfen werden auch inkontinenten Patienten empfohlen. Das Training deiner Beckenbodenmuskulatur ist allerdings nicht mit dem Training im Fitnessstudio vergleichen. Während es dort meist darauf ankommt, den Muskel wachsen zu lassen, soll die Beckenbodenmuskulatur gestärkt, deine Kontrolle über sie verbessert werden. Nach einiger Zeit der Übung wirst du diese Muskeln besser spüren und kannst sie so auch bewusst entspannen.

Die richtigen Bewegungen beim Sex

Neue Stellungen brechen deine mentale Festgefahrenheit auf und sorgen dafür, dass du neue Bewegungen vollführst. Anstelle des klassischen Rein-raus-Stoßens kannst du eine rotierende Bewegung ausprobieren. Diese verzeiht grundsätzlich eher eine größere Anspannung und hilft dir, länger durchzuhalten. Außerdem ist der Erregungsreiz so geringer. Andere Bewegungen sind aber nicht nur ein probates Mittel, damit du deine Ausdauer steigerst. Vor allem wellenförmige Bewegungen steigern den Genus am Sex, da du so den Reiz genauer kontrollieren kannst.

Die richtige Atmung

Die richtige Atmung hilft, dich zu entspannen. Schnelle, oberflächliche Atemzüge hingegen erhöhen den Adrenalin- und Kohlendioxidgehalt des Bluts, was die Erregungsenergie noch steigert. Versuche also, so oft wie möglich während des Geschlechtsverkehrs tief ein- und auszuatmen. Durch eine bewusste Bauchatmung kannst du die Erregungsenergie über deinen Körper verteilen und entspannst dich gleichzeitig. Mit dem richtigen Training gelingt dir sogar ein Gesamtkörperorgasmus.

Die Squeeze-Technik

Urologen raten zur Verwendung der sogenannten Squeeze-Technik. Dabei drückt der Mann kurz vor dem Orgasmus kräftig mit drei Fingern die Eichel oder den Penisschaft. Dadurch kann er die Erregung vorübergehend verringern. Macht er im Anschluss weiter mit dem Geschlechtsverkehr, hält er wieder etwas länger durch.

Die Start-Stop-Methode

Anstelle den Penis abzudrücken, kannst du natürlich auch einfach den Sex komplett unterbrechen. Nehme ein paar tiefe Atemzüge und warte einen Moment, bevor du weitermachst. Mit etwas Übung (am besten nur mit dir selbst) entwickelst du ein Gespür dafür, wann du die Stimulation unterbrechen solltest.

Die lokale Betäubung

Wer eine schnelle Suche ohne jegliches Training sucht, dem legen wir eine lokale Betäubung nahe. Mithilfe eines Lokalanästhetikums, das du auf deinen Penis aufträgst, verringerst du seine Reizempfindlichkeit und erhöhst gleichzeitig dein Durchhaltevermögen. Diese Mittel sind rezeptfrei erhältlich.

Die richtige Kommunikation

Es wird dir wahrscheinlich nicht leichtfallen, doch du musst unbedingt mit deiner Partnerin oder deinem Partner über deine Probleme reden. Vielleicht wird sie oder er dich besser verstehen, als du gedacht hättest. Auf diese Weise beseitigst du den Leistungsdruck, den du dir selbst auferlegt hattest.

Fazit

Falls du unter einem primären vorzeitigen Samenerguss leidest, hilft nur eines: Suche einen Arzt auf und lasse dir professionell helfen. Ist das nicht der Fall, hast du dir wahrscheinlich ein Verhaltensmuster angewöhnt, dass sich in einer sexuellen Funktionsstörung niederschlägt. Die gute Nachricht: Du kannst wieder umlernen und das Problem so beseitigen. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Du wirst Zeit und Geduld brauchen, um dein Verhalten zu korrigieren. Dann aber geht dein Körper in den Autopilot-Modus und du kannst dich wieder ganz auf deine Partnerin oder deinen Partner konzentrieren.
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