Safer Sex und Verhütung

Die Bereiche Safer Sex und Verhütung sind für ein erfülltes Sexleben wohl unumgänglich. Natürlich soll Sex vor allem Spaß machen, doch die Vernunft darf nicht darunter leiden. Leider haben viele Menschen auch heutzutage noch Vorstellungen zu Themen wie Kondomen oder HIV, die mit der Realität wenig gemeinsam haben. Hier einige der Mythen im Bereich Safer Sex und Verhütung.

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Mythos 1: Mit steigendem Alter sinkt bei Frauen das Risiko für Infektionskrankheiten

Grundsätzlich entfällt ein kleinerer Teil der HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen auf das weibliche Geschlecht. Das ist aber noch lange kein Grund, auf Safer Sex zu verzichten, vor allem, wenn man wechselnde Sexpartner hat. Das Robert-Koch-Instituts hat herausgefunden, dass die Zahl der HIV-Infektionen bei heterosexuellen Sexualpartnern in den letzten Jahren angestiegen ist. Alle Altersgruppen sind gleichermaßen vom Risiko einer Ansteckung betroffen. Infektionen mit Chlamydien oder Gonokokken diskriminieren nicht nach Alter. Folglich ist es schlicht absurd zu glauben, Verhütung sei ab einem bestimmten Alter nicht mehr oder zumindest weniger wichtig. Entgegen dieses Irrglaubens steigt die Infektionsrate in Proportion zum Lebensalter sogar an. Das hat keine physischen Grunde, vielmehr glauben ältere Menschen bisweilen, erfahren und informiert zu sein und fühlen sich deshalb im Hinblick auf die Thematik der Verhütung sicher.Fazit: Der Mythos ist falsch, das Alter spielt für Safer Sex keine Rolle. Tatsächlich ist das Gegenteil des Irrglaubens der Fall, wenn auch keine direkte physische Verbindung zum Alter besteht.

Mythos 2: Oralsex ist mit einem geringeren Ansteckungsrisiko verbunden

Am höchsten ist die Gefahr, sich mit HIV zu infiziere, bei analem und vaginalem Geschlechtsverkehr. Fälle, in denen das Virus durch Oralsex übertragen wird, sind selten. Bei STIs, also sexuell übertragbaren Infektionen, sieht das aber ganz anders aus. Krankheiten wie Chlamydien, Gonorrhoe oder Syphilis lassen sich auch via Oralsex übertragen. Das liegt daran, dass ihre Bakterien sich in der Mundschleimhaut beziehungsweise den oralen Schleimhautzellen einnisten können. Dort werden sie an des Genital des Sexpartners weitergegeben. Aus diesem Grunde wird bei STI-Checks nicht nur der Genital- oder Anal-, sondern auch der Oralbereich getestet. Doch damit nicht genug: Auch sogenannte HP-Viren werden über kleine Hautschüppchen übertragen. Sie können Symptome wie Genitalwarzen oder Gebärmutterhalskrebs, Mund-Rachen-Karzinome oder Penis-/Analkarzinom auslösen. Sie dringen in den Körper ein, indem sie sich Mikroverletzungen der Schleimhaut zunutze machen. Diese Infektion kann gänzlich unbemerkt geschehen und sogar nach ein bis zwei Jahren von selbst heilen. Um einer HPV-Infektion dennoch vorzubeugen, gibt es eine spezielle Impfung. Man sollte sich bis zum 14. Lebensjahr geimpft haben, doch selbstverständlich schützt sie auch dann, wenn man es erst später macht.Tipp: Für HIV- und STI-Tests gibt es spezielle Ämter wie das Gesundheitsamt oder Checkpoints. Natürlich bieten auch Ärzte diese Dienste an. Die Checks sind komplett anonym und mit einer Beratung verbunden.Fazit: Der Mythos ist nur für eine Infizierung mit dem HI-Virus weitestgehend zutreffend. Alle andere Sexualkrankheiten können jedoch auch beim Oralverkehr übertragen werden.

Mythos 3: AIDS betrifft in Deutschland nur sehr wenige heterosexuelle Menschen

Zu Beginn sollte man den Unterschied zwischen einer Infektion mit dem HI-Virus (Humanes Immundefizienz-Virus) und AIDS (akquiriertes Immun-Defizienz-Syndrom) erklären. Wer mit HIV infiziert ist, kann dank einer guten medizinischen Diagnostik und einer fortgeschrittenen medikamentösen Therapie in Deutschland mit einer normalen Lebenserwartung rechnen. HIV-positive Menschen können das Virus bei regelmäßiger Einnahme ihrer Medikamente nach kurzer Zeit nicht mehr weitergeben. Es ist auch davon die Rede, dass das Virus dann nicht mehr nachweisbar ist. Daher kommt es bei einer HIV-Infektion darauf an, diese schnellstmöglich diagnostizieren und behandeln zu können. Rund 86.000 Menschen in Deutschland haben HIV oder AIDS. Dies entspricht knapp 0,01 Prozent der Bevölkerung. Der Großteil wird von homosexuellen Männern ausgemacht. Doch auch heterosexuelle Intimkontake oder der Konsum von Drogen können zur Anfechtung führen. Man geht davon aus, dass hierzulande 87 Prozent aller HIV-Infektionen bekannt sind. Von diesen 87 Prozent der betroffenen Menschen nehmen 92 Prozent ihre Medikamente ein, sodass das Virus bei 95 Prozent hiervon nicht mehr nachweisbar ist.Fazit: Zwar sind statistisch gesehen noch immer vorwiegend homosexuelle Männer von HIV und AIDS betroffen. Das heißt aber noch lange nicht, dass alle anderen Demographien vor einer Ansteckung gefeit sind. Mit HIV und AIDS kann sich auch anstecken, wer keusch ist, beispielsweise über Spritzen oder den Kontakt mit offenen Wunden.

Mythos 4: Prostituierte im Bordell sind „clean“, auf dem Strich hingegen nicht

Das Gebiet der Prostitution ist im Allgemeinen von vielen Mythen umgeben. Kein Wunder, schließlich wird es für gewöhnlich als relatives Tabu-Thema angesehen. Das gilt natürlich auch für die Sparte des Safer Sex im horizontalen Gewerbe. Bisweilen herrscht die Vorstellung, Sexarbeiter oder Sexarbeiterinnen mit Anstellung in einem Bordell seien unbedenklich, was Infektionen angeht. Der Straßenstrich hingegen sei eine Brutstätte für sexuelle Krankheiten. Ob dies früher einmal so war, vermögen wir nicht zu beurteilen. Eins ist aber sicher: Heutzutage trifft diese Regel in keinster Weise zu! Es ist üblich, auch im Bordell Oralsex ohne Kondom bekommen zu können. Wie zuvor bereits erwähnt, birgt diese französische Spielart ohne Verhütung das Risiko der Infektion mit einer Geschlechtskrankheit wie Hepatitis B, Syphilis, Chlamydien oder Gonorrhö (Tripper). Wer davon ausgeht, dass die Bordellbetreiber regelmäßige Checks auf sexuell übertragbare Krankheiten von ihren Angestellten verlangen, ist leider auf dem Holzweg. Der Unterschied, ob eine Frau auf den Strich geht oder im Bordell arbeitet, hat keineswegs etwas mit ihrer Gesundheit zu tun. Viel entscheidender ist das Herkunftsland der Prostituierten. Je ärmer die Verhältnisse, aus denen sie stammt, desto wahrscheinlicher, dass sie sich mit den geringeren Verdienstmöglichkeiten auf dem Strich begnügen muss.Fazit: Zwar gestalten sich die intimen Stunden im Bordell kostspieliger als ein Besuch auf dem Straßenstrich, infektionsfreien Sex garantiert diese Tatsache jedoch noch lange nicht. Da es auf dem Strich für Prostituierte und Zuhälter weniger zu verdienen gibt, sind auch die Gesundheitsstandards laxer. Doch gleichzeitig herrschen in Bordellen ebenso unbefriedigende Vorschriften, was Safer Sex angeht. Somit besteht keinerlei Anlass zur Sorglosigkeit.

Mythos 5: Zwei Kondome übereinander zu verwenden bietet doppelten Schutz

Doppelt hält besser, diese Lebensweisheit wenden viele Menschen auch im Bereich des Safer Sex an. Doch sind zwei Kondome auf einmal tatsächlich sicherer? Zunächst klingt die Theorie ganz plausibel: Wenn ein Kondom reißt, bietet das zweite ersatzweise Schutz. Tatsächlich aber schützt dieses Verhütungsmittel nur, wenn es auch richtig angewendet wird. Trägt man zwei Kondome übereinander, entsteht zusätzliche Reibung, die im schlimmsten Falle beide zum Reißen bringt. Auch kann es vorkommen, dass die Liebestütchen so leichter abrutschen. Ein einziges, gut sitzendes Kondom ist damit deutlich sicherer als zwei auf einmal.Fazit: Hier trifft das Sprichwort nicht zu. Zwei Kondome sind weder sicherer noch genauso sicher wie ein einziges. Vielmehr birgt der vermeintlich doppelte Schutz sogar Risiken, die man mit einem einzigen Kondom nicht eingehen müsste.