Einführung in das Kamasutra mit 8 heißen Sexstellungen

Wer den Begriff Kamasutra hört, denkt unweigerlich sofort an abenteuerliche Sexstellungen. Die beiden Worte sind ganz einfach untrennbar miteinander verbunden. Kein Wunder, gilt das indische Buch doch als Klassiker, als Mutter aller Sexratgeber und Inbegriff der erotischen Literatur. Noch immer hat das Kamasutra den Ruf, die passende Antwort für alle jene zu bergen, die ihr Sexleben ein wenig aufpeppen wollen. Doch kann der über tausend Jahre alte Schinken diesem Ruf gereicht werden?

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Was ist das Kamasutra?

Die Bezeichnung Kamasutra setzt sich aus den Bestandteilen Kama (das sinnliche Verlangen und seine Wunscherfüllung als eine Kraft der Evolution) und Sutra (die Versform indischer Lehrtexte) zusammen. Kama ist dabei eines der vier Lebensziele des Menschen im hinduistischen Glauben. Bei den anderen drei Zielen handelt es sich um die folgenden:
  • 1. Artha: Wohlstand
  • 2. Dharma: Rechtschaffenheit
  • 3. Moksha: Erlösung
Das Kamasutra entstand um das Jahr 250 n. Chr. in der damaligen Stadt Pataliputra, die heute Patna heißt und im nordöstlichen indischen Bundesstaat Bihar am Südufer des Ganges liegt. Es wurde vermutlich von Vatsyayana Mallanaga geschrieben. Über diesen Autor ist lediglich bekannt, dass er interessanterweise einen keuschen Lebensstil pflegte. Vatsyayana Mallanaga verfasste das Werk jedoch nicht als Alleinautor, sondern nahm Bezug auf ältere Texte nicht genannter Autoren, die nicht überliefert sind. Das Kamasutra umfasst sieben Bücher und dreht sich nicht nur um Sex, sondern vieles mehr. So ist es auch ein Ratgeber für Beziehungen und ein Wegweiser für Menschen, die ihr Glück suchen. Allen Büchern ist es im Kern gemeinsam, dass sie sich um das Verhältnis zwischen Mann und Frau drehen. Unter anderem gibt Vatsyayana Mallanaga eine Anleitung, wie ein Mann sich dem anderen Geschlecht auf möglichst unverfängliche Art und Weise annähern kann. Noch dazu klärt er darüber auf, woran man eine gute Liebhaberin erkennt und welche Regeln für die Heirat, aber auch den Ehebruch gelten. Neben dem intergeschlechtlichen Zusammenleben behandelt das Kamasutra auch Anstandsregeln für erotische Vergnügungen. Die folgenden Themen werden in den sieben Büchern umrissen:
  • Schüchternheit
  • Umwerbung
  • Verführung
  • Ablehnung
  • Manipulation
  • Dreiecksbeziehungen
  • käufliche Liebe
  • die erotische Verwendung von Drogen und Stimulantien

Lebensziele nach dem Kamasutra

Die traditionelle Version des Kamasutra berät darin, wie man am besten die selbst gesteckten Lebensziele erreichen kann. Dies macht einen wichtigen Teil der damaligen indischen Kultur aus. Anders als explizit religiöse Schriften, die „niederen Gelüste“ zum Feind der spirituellen Erleuchtung erklärten, huldigt das Kamasutra diesen Trieben und wendet sich von der Askese ab. Die Ausdrucksweise des Buchs ist dabei klar, unverblümt und bisweilen sogar analytisch und trocken. Klar Stellung bezieht das Kamasutra gegen die weibliche Beschneidung. Es predigt die Versöhnung von Körper und Geist. Die eigene Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil des Weges zur Spiritualität. In diesem Aspekt steht das Kamasutra dem Tantra nahe, welches sich mit der Transformation von Sexualität beschäftigt.

Sexstellungen nach dem Kamasutra

Die berühmteste Thematik des Leitfadens ist aber selbstverständlich nicht die Spiritualität und auch die philosophischen Erkenntnissen haben dem Werk nicht diese Bekanntheit weit über sein Zeitalter verschafft. Vielmehr wird das Kamasutra selbst heutzutage noch gelesen, weil es in seiner Darstellung und Beschreibung von Erotik und Sexstellungen revolutionär war und bis heute ist. Somit ist klar, dass Vatsyayana Mallanaga seiner Epoche um Jahrhundert voraus war. Doch wie macht sich das bemerkbar? Er verwendet im Kamasutra eine klare Sprache und beschreibt Sex ohne Umschweife, was sich krass von der damaligen prüden Haltung gegenüber intimen Thematiken abhebt. Auch die weibliche Ejakulation und spezielle Kuss- und Oraltechniken legte er in äußerst direkter Sprache dar. Außerdem beschrieb er sämtliche Sexstellungen, die er gesammelt hatte, in der Gesamtzahl 729 verschiedene Positionen. Wie bereits erwähnt, griff Vatsyayana Mallanaga auf Texte anderer Autoren zurück und schaffte so die eine Enzyklopädie, die über Jahrhunderte hinweg in ihrem Umfang unerreicht blieb. Erstmals wurden Penisse nach Länge und Dicke und Vaginas entsprechend nach Tiefe und Volumen katalogisiert. Vatsyayana Mallanaga schreckte selbst vor der Würdigung wilderer Spielarten nicht zurück. So beschrieb er aich den Einsatz von Kratzen, Beißen bis hin zu Schlägen, um dem Sexualleben eine gewisse Würze zu verleihen. Anzumerken ist, dass der Autor dabei stets das allseitige Einverständnis aller Teilnehmer voraussetzte. Es wird also deutlich, dass Vatsyayana Mallanaga unheimlich fortschrittlich war und sogar Praktiken beschrieb, die auch heute noch einige Gemüter erregen können.

Ein Auszug aus dem Verzeichnis der Sexstellungen

Nun geht es ans Eingemachte. Schließlich wäre das Kamasutra nicht das Kamasutra, wenn es nicht hunderte kuriose Sexstellungen enthalten würde. Hier nun eine Auswahl.

Der gespaltene Bambus

Die Frau befindet sich auf dem Rücken, der Mann kniet vor ihr. Er hebt ihre beiden Beine an und legt sie sich über die Schulter. Seine Hand geht unter ihren Po und penetriert sie. Während er in sie stößt, übt die Frau Druck auf seinen Penis aus, indem sie ihre Oberschenkel zusammenpresst.

Die Jagd

Der Mann kniet vor der Frau und stellt seinen linken Fuß auf. Die Frau setzt sich auf den linken Schenkel und schlingt den linken Arm um die Schulter des Mannes. Dann dringt er in sie ein. Seine Partnerin hat weiterhin die Möglichkeit, ihr Knie abzusenken und so den Penetrationswinkel anzupassen.

Der Lotus

Die Stellung ist wohl eine der bekanntesten des Kamasutra. Die Frau liegt mit gekreuzten Beinen auf dem Rücken und zieht sie so weit sie kann in Richtung ihres Busens. Der Mann beugt sich über sie und dringt in ihre Vagina ein. Der Lotus fordert beiden Partnern große Anspannung ab, weshalb die Stellung nicht für lange Einlagen geeignet ist.

Die achte Position

Die Frau macht es sich auf dem Rücken bequem. Mit überkreuzten Füßen versucht sie, ihre Schenkel so weit es geht zu spreizen. Der Partner kniet sich über sie und dringt in sie ein. Die Klitoris ist in dieser Position freigelegt, sodass der Mann die Frau nicht nur mit dem Penis, sondern auch mithilfe seiner Finger oder seiner Zunge stimulieren kann.

Der Vulkan

Für diese Stellungen braucht man ein Kissen. Die Frau legt sich mit dem Bauch auf ein Kissen und winkelt ihre Beine an. Der Partner hebt sie so an den Hüften hoch, sein Oberkörper hält allerdings Kontakt mit dem Kissen. Nun drückt er ihre Unterschenkel etwas auseinander und gegen die eigene Brust. Auf diese Weise kann der Mann zwar nicht besonders tief eindringen, dafür aber sehr gut das vordere Drittel der Vagina stimulieren, welches als sehr reizbar gilt. Vor allem für den Mann ist diese Stellung erregend, zumal sie seiner Partnerin viel abverlangt.

Der Elefantenritt

Der Mann hat die Beine gespreizt und kniet vor ihr. Seine Partnerin setzt sich auf seinen Schoß und umarmt ihn. Der Mann wiederum packt sie an den Hüften und hebt sie leicht an. Seine rechte Hand geht an ihre linke Fessel. So verschlungen führen beide minimale, aber wirkungsvolle Bewegungen aus.

Das Feuerrad

Mann und Frau sitzen sich gegenüber, ihre Körper sind leicht zur Seite geneigt. Ihre Beine umschlingen seinen Oberkörper. Mit den Händen stützt sie sich nach hinten ab. Auch er umschlingt sie mit seinen Beinen, aber auf Höhe der Taille. So penetriert er sie durch schwingende bis schaukelnde Bewegungen. Das Feuerrad wird vorwiegend zum Vorspiel eingesetzt, da wilderer Sex in dieser Position kaum möglich ist.

Die Herrscherin

Wie es der Name schon andeutet, hat die Frau hier die Zügel in der Hand. Er setzt sich zwischen ihre Beine und platziert seine gespreizten Oberschenkel auf ihren Beinen. Mit seinen Füßen, die hinter ihrem Rücken verschränkt sind, hat er den nötigen Halt, um sich zurücklehnen zu können. So auf dem Rücken liegend geht die Frau in die Hocke und führt seinen Penis in ihre Vagina ein. Sie presst ihre Füße fest in den Boden, um das Gleichgewicht zu halten. Anschließend leht auch sie sich zurück, bis sie auf dem Rücken liegt.

Das Kamasutra: Fazit

Manchmal als Skandalbuch verschrien, hat das Kamasutra noch viel mehr zu bieten als nur eine umfangreiche Sammlung an Sexstellungen. Auch wenn die philosophischen und spirituellen Aspekte des Werks über die Jahrhunderte immer weiter in den Hintergrund getreten sind: Es hat definitiv seinen Grund, dass das Kamasutra auch über 1700 Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen noch eine immense Faszination auf die Menschen ausübt.