Casual Dating als geile Alternative zur festen Beziehung

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Casual Dating oder auch Casual Sex beschreibt eine Beziehung, in der es keine Verpflichtungen gibt. Es geht also um sexuelle Aktivitäten, die außerhalb des Rahmens einer romantischen Partnerschaft stattfinden. Casual Dating kann sowohl auf einmalige intime Begegnungen als auch langfristige Übereinkünfte angewandt werden. Zwischen den beiden Extremen des One-Night-Stands und einer traditionellen romantischen Partnerschaft zwischen zwei Menschen liegt eine umfassende Grauzone an Zweierbeziehungen. Diese werden von Jahr zu Jahr verbreiteter und salonfähiger, sodass viele Personen diese Vorstellung einer Beziehung sogar offen ausleben. Die Übergänge zwischen den einzelnen Partnerschaftsformen sind meist fließend.

Formen des Casual Dating

Der One-Night-Stand

Der Begriff One-Night-Stand stammt aus dem Englischen und stand ursprünglich für eine einmalige Bühnenaufführung. Heutzutage ist damit aber eine einmalige sexuelle Begegnung gemeint. Diese geschieht mit der Absicht, keine ernsthafte emotionale Bindung zum Partner einzugehen. Kernziel eines One-Night-Stands ist die Befriedigung der eigenen sexuellen Bedürfnisse. Eine längere Beziehung soll jedoch gerade nicht entstehen. Neben dem Akt selbst wird auch die Person, mit der man ihn vollführt, als One-Night-Stand bezeichnet. Der One-Night-Stand ist vom Quickie abzugrenzen. Letzterer kann auch zwischen zwei Personen stattfinden, die eine langfristige Beziehung haben. Sinn und Zweck ist kurzer Sex. Ist bei einer einmaligen sexuellen Begegnung eine Vergütung im Spiel, fällt dies nicht unter den Oberbegriff des One-Night-Stands. In diesem Fall spricht man vielmehr von Prostitution. Auch ein Blind Date gehört nicht zur Kategorie, kann allerdings in einem One-Night-Stand enden.

Die Sexbeziehung

In einer Sexbeziehung befinden sich zwei Menschen, die gelegentlich bis regelmäßig miteinander Sex haben, ohne in einem partnerschaftlichen Verhältnis zu leben. Man spricht auch von Freundschaft plus oder Friends with Benefits (aus dem Englischen für Freunde mit gewissen Vorzügen). Manche betrachten dies jedoch als eigenständige Art der Sexbeziehung, da die Teilnehmer sich aus einer freundschaftlichen Beziehung heraus zum gemeinsamen Sex entschließen. Im Vordergrund steht der gemeinsame Sex, Liebesgefühle sollen jedoch explizit nicht entstehen. So grenzt sich die Sexbeziehung auch von der offenen Beziehung ab, bei der tiefere Gefühle im Spiel sind. Im Gegensatz zum One-Night-Stand hat die Sexbeziehung keinen einmaligen Charakter. In dieser Art der Partnerschaft gelten die Teilnehmer weiterhin als Single. Sextherapeuten sehen die Beziehungsform durchaus kritisch, da die biopsychosozialen Grundbedürfnissen nur für den Moment befriedigt werden. Der Lustgewinn und eine gewisse Selbstbestätigung hätten allerdings Vorrang, was auf Dauer kaum gesund sei. Die Sexbeziehung ist gesellschaftlich wenig akzeptiert und wird daher für gewöhnlich im Geheimen geführt. Noch dazu ist es für die beiden Partner ohnehin erstrebenswert, Stillschweigen zu bewahren, um auch für andere Partner offen zu bleiben. Der Vorteil der Sexbeziehung ist die Freiheit, die sie den Teilnehmern erlaubt. Diese ist oftmals jedoch nur von kurzer Dauer, denn dann kommen Liebesgefühle ins Spiel, was Konfliktpotenzial birgt. Eben diese Liebe soll bei der Sexbeziehungen schließlich gerade vermieden werden. Nicht selten entwickelt sich aus der Sexbeziehung so eine romantische Partnerschaft.

Der Booty Call

Der Begriff des Booty Call setzt sich aus den Bestandteilen Booty für Hintern oder auch Beute und Call für Anruf zusammen und stammt aus den USA. Man versteht darunter eine (wiederholte) Kontaktaufnahme per Telefon, um sich zum Gelegenheitssex zu verabreden. Die Partner können auf verschiedene Kommunikationsmethoden zurückgreifen, um den Geschlechtsverkehr anzubahnen. Wenn auch der Telefonanruf namensgebend war, gelten auch Verabredungen per E-Mail oder Instant-Messaging-Dienste als Booty Call. Man geht davon aus, dass Männer den Booty Call vor allem nutzen, um einfachen Zugang zu Sex ohne größere Verpflichtung zu haben. Frauen hingegen versprechen sich von dieser Art des Casual Datings eine Testphase für die eigentliche, romantische Beziehung. Die Erfindung des Begriffs wird dem US-amerikanischen Comedian Bill Bellamy zugeschrieben.

Casual Dating und seine gesellschaftliche Bedeutung

Die Geschichte des Casual Dating

Für einen Großteil der menschlichen Geschichte wurden sexuelles Verlangen und körperliche Triebe als unschicklich oder sogar gefährlich betrachtet. Sie bedrohten die soziale, politische und religiöse Ordnung. In vielen Religionen wird daher der Zweck beziehungsweise Charakter des Geschlechtsverkehrs als ausschließlich der Fortpflanzung dienend propagiert. Das Sexualverhalten ist einer strikten Kontrolle zu unterwerfen. Bis zur Neuzeit waren das sexuelles Verlangen und die Lust weitestgehend verpönt. Sex war neben der Fortpflanzung ausschließlich im Rahmen der Ehe erlaubt. Wer intime Kontakte außerhalb dieser Grenzen einging, geriet gesellschaftlich in Verruf und wurde hart bestraft. Dabei fand eine unterschiedliche Behandlung der Geschlechter statt. Während Frauen mit weitreichenden Konsequenzen ihrer Untreue zu rechnen hatten, wurde das gleiche Verhalten bei Männern bisweilen geduldet. In einigen Fällen galt es sogar als maskulin, sich derart ausschweifend sexuell auszuleben. Diese Phänomen nennt man den sexuellen Doppelstandard oder doppelte Moral. Dieser Doppelstand entwickelte sich im Zuge der sexuellen Revolution in den sechziger und siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts weiter und wurde zu einem bedingten Doppelstandard. Frauen war es nun gestattet, sexuelle Beziehungen im Rahmen einer festen romantischen Partnerschaft einzugehen. Männer hingegen wurden weiter dazu ermutigt, sich Sexpartner nach Belieben zu suchen. Eine entscheidende Rolle bei dieser Evolution spielte die Erfindung der Antibabypille, aber auch anderer Methoden zur Verhütung. Dass Gelegenheitssex heutzutage offener ausgelebt werden kann und eine gewisse gesellschaftliche Akzeptanz erreicht hat, ist nicht zuletzt der Frauenbewegungen und in diesem Rahmen dem sexpositiven Feminismus ab den 80er Jahren zu verdanken. Um dies anschaulicher zu machen: Länder mit einem höheren Gleichberechtigungsindex der Geschlechter weisen auch eine weitere Verbreitung von Casual Sex auf. Auch pro Kopf gesehen haben die Menschen dort mehr Sexpartner, als jene in Ländern mit größeren Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern.

Die soziale Bedeutung des Casual Dating

Sinn und Zweck des Casual Dating ist der sexuelle Lustgewinn der Partner. Außerdem üben die Erfahrung neuer Partner, die hedonistische Lebensweise und die Steigerung des Selbstbewusstseins einen nicht zu verleugnenden Reiz aus. Längerfristige Arrangements wie der Booty Call oder die Freundschaft plus haben gegenüber dem One-Night-Stand den Vorteil, dass die Partner sich gegenseitig emotionale Bestätigung und Rückhalt geben. Gleichzeitig bieten diese Beziehung die Möglichkeit, in einem vertrauensvolleren Rahmen sexuell zu experimentieren.
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